Leichter lernen durch mediale Bildungspfade

Es ist keine Weisheit mehr, dass Lernen leichter fällt und effektiver ist, wenn man sich Wissen handlungsorientiert und mit Freude aneignet. Voraussetzung ist hierfür die Schaffung authentischer Lernsituationen, in denen Schüler einen persönlichen Bezug zu den Bildungsinhalten haben und die Lernsituation nicht als solche wahrnehmen. Die Erlebnispädagogik macht sich authentische Lernsituationen, in Form von Gruppenerfahrungen in der Natur bzw. Lebensumwelt der Schüler, zur Prämisse. Wenn Lernen in solchen Situationen leichter fällt, sollte man dann nicht auch Medienkompetenz in diesem Rahmen vermitteln? Wie werden Medien in die Erlebnispädagogik integriert und wie sinnvoll ist dies in Hinblick auf die Vermittlung von Bildungsinhalten und Medienkompetenz?

Der „Mediale Bildungspfad“ ist ein Methode, in der medien-, spiel- und erlebnispädagogische Elemente miteinander verbunden werden. Mit Hilfe von digitalen und mobilen Medien, wie Smartphones, GPS, Tablets etc., orientieren sich Schüler in einem bestimmten Raum (Schule, Stadt, Ort) und setzen sich gleichzeitig spielerisch mit Bildungsinhalten auseinander.  Die Idee der Medialen Bildungspfade stammt vom Multicaching bzw. Geocaching. Dies ist eine moderne Form der Schatzsuche, bei der man sich mithilfe von GPS Empfängern und Internetzugang zum „Schatz“ navigiert. Geocaching wurde für die Schule didaktisch modifiziert. Die Rätsel, die gelöst werden müssen, um dem Schatz näher zu kommen, sind „versteckte“, non-formelle Lernsituationen, in denen sich die Schüler mit Bildungsinhalten, aber auch mit dem technischen und kreativen Einsatz von Medien auseinandersetzen. Aufgaben für die einzelnen Stationen sind beispielsweise ein Video zu drehen, Internetrecherche zu betreiben oder ein Foto Comic zu kreieren. Auch die Suche selbst ist multimedial, denn neben den technischen Navigationshilfen, können die einzelnen Stationen mit QR-Codes versehen sein. Die Nachbereitung der Schatzsuche kann digital erfolgen, indem die Lernergebnisse in einem Blog oder Ähnlichem festgehalten werden.

Richtig konzipiert haben mediale Bildungspfade das Potential Medienkompetenz vielseitig zu fördern – auf kreativer und auch technischer Ebene.  Durch die sinnliche Wahrnehmung sind die Lerninhalte für die Schüler besonders interessant und ansprechend. Die gemeinsame Schatzsuche fördert zudem die Kommunikations- und Kooperationsfähigkeiten der Schüler.

Allerdings ist die Konzeption medialer Bildungspfade anspruchsvoll und zeitintensiv, sowohl in der Planung als auch Durchführung. Sie setzt eine hohe Medienkompetenz der Lehrer voraus und selbstständiges und verantwortungsvolles Handeln der Schüler. Obwohl die Inhalte und Ziele der Bildungspfade immer wieder modifizierbar sind, kann nicht jeder Bildungsinhalt sinnvoll umgesetzt werden.

Es sollte sich demnach zu allererst gefragt werden, ob der zu vermittelnde Bildungsinhalt in ein Cache passt. Für den Deutschunterricht sind vor allen Dingen Themen wie Autoren und Künstler aus der heimatlichen Umgebung geeignet. Bei der Konzeption des Pfades sollte sich die Lehrkraft didaktische Unterstützung holen, möglicherweise auch klassenübergreifend zusammenarbeiten. Zeitlich gesehen ist die Durchführung des Bildungspfades sicherlich im Rahmen einer Projektwoche am sinnvollsten.

Mediale Bildungspfade stellen keine regelmäßig einsetzbare Methode, sondern vielmehr ein besonderes Lernerlebnis dar. Dieses kann, wenn es gut konzipiert und durchgeführt wird, für die Schüler eine unvergessliche Erfahrung bleiben und großes Interesse für den kreativen wie technischen Umgang mit Medien wie auch für die Bildungsinhalte an sich wecken.


Quelle:

Winter, Andrea (Hg.): Spielen und Erleben mit digitalen Medien. Pädagogische Konzepte und praktische Anleitungen. München: Ernst Reinhardt Verlag, 2011

 

 

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