Bildung in Echtzeit – Streaming-Dienste als Bereicherung des Schulwesens?

Wir leben in einer Welt, die sich binnen weniger Jahrzehnte so sehr vernetzt hat, dass geographische Distanzen uns nicht mehr davon abhalten können, miteinander in Bild und Ton in Kontakt zu treten. Mediale Vernetzungsprozesse, Webtechnologien und andere Innovationen sorgten dafür, dass die Menschen immer schneller und unkomplizierter miteinander kommunizieren und Informationen austauschen können. Kriege, Krisen und andere Events von medialem Interesse liegen uns pausenlos im Live-Ticker vor und sollten wir doch einmal geblinzelt haben, dann finden wir all die verpassten Momente sicherlich in einem der zahlreichen Videoportale.

Irgendwo zwischen Videoportalen wie youtube und Live-Berichterstattungen liegen die sogenannten Streaming-Dienste. Das Konzept von Streaming-Diensten lässt sich an dieser Stelle problemlos in nur wenigen Sätzen zusammenfassen. Grundsätzlich sind Streams in zwei Kategorien einzuteilen. Auf der einen Seite stehen die „On-Demand-Streams“, die ihre gesamte Datenmenge in Form einer einzelnen Datei auf einem bestimmten Server gespeichert haben. Wählt der interessierte Benutzer einen bestimmten Stream aus, so werden die Daten der ausgewählten Datei über die Netzwerkverbindung an den Nutzer gesendet. Die Inhalte selbst können dabei schon betrachtet werden, ohne dass die komplette Datenmenge bereits auf den Rechner des Nutzers geladen wurde. Beispiele für solche On-Demand-Streams wären Plattformen wie Redtube, das vor einigen Wochen erst im Fokus der deutschen Medienlandschaft stand. Hintergrund war in diesem Kontext die rechtliche Grauzone, in der sich der Zugriff via Streaming auf urheberrechtlich geschützte Inhalte bewegt.

Den On-Demand-Streams stehen so genannte Live-Streams gegenüber. Live Streams stellen ihre Datenpakete in Echtzeit zur Verfügung. Dabei werden kontinuierlich Datenpakete an den Empfänger gesendet und es gibt keine Datei, die auf irgendeinem Server liegt und darauf wartet, vom Benutzer heruntergeladen zu werden. Die derzeit populärste Plattform für Live-Streams ist twitch.tv. Eine Plattform über die Privatpersonen, wie auch Unternehmen und Schulen die Möglichkeit haben, mit nur wenig Aufwand Inhalte in Echtzeit zu präsentieren. Gegenwärtig nutzen überwiegend Privatpersonen und Jugendliche die Plattform, aber von Monat zu Monat finden sich mehr Unternehmen und eben auch Schulen auf Twitch.tv und anderen Streaming-Plattformen ein, um auch auf der digitalen Ebene ein modernes Unternehmensbild zu projizieren.

Während es hier in Deutschland noch keine Schulen gibt, die einen konsequenten Zugang zu Streaming Diensten gefunden haben, ist es in den Vereinigten Staaten keine Seltenheit, dass Schulen Streaming Portale nutzen, um für mehr Transparenz und Zugänglichkeit zu sorgen.

Die Knapp Elementary School unterhält vor diesem Hintergrund in periodischen Abständen einen Live-Stream der Elternversammlungen. Auch wenn Elternteile es aus verschiedenen Gründen nicht immer schaffen, an den Sitzungen vor Ort teilzunehmen, so haben sie durch Zuschaltmöglichkeiten und einen Live-Chat, der parallel zum Stream läuft, immer die die Möglichkeit sich über die Vorgänge an der Schule zu informieren und an ihnen zu partizipieren.

“Over the last year, meeting attendance has risen from eight to ten parents who did not accurately represent school demographics to over 40 parents and teachers from all over the school’s sending area. Teachers pop into the hour-long meeting to offer thanks and share ideas. Parents chime in from home in the midst of cooking dinner or doing household duties. Community members watch on to get the pulse of the school’s learning community.“

Dr. Joe. Mazza – Leadership Innovation Manager at the Pennsylvania Graduate School of Education

Während Streaming-Dienste auf der einen Seite durchaus ihren Beitrag im Rahmen von Öffentlichkeitsarbeit unter dem Aspekt von größeren Partizipationsmöglichkeiten bieten, so könnten sie auch ganz konkret im Unterrichtsalltag von Nutzen sein. Stellen wir uns vor, dass wir eine Fremdsprache unterrichten und im Rahmen eines Kooperationsprogramms mit einer Partnerschule kommt es zu einem Austausch der Schüler im Gespräch via Streaming-Dienst. Schülerinnen und Schüler bekämen so ohne größere Umstände die Möglichkeit, dass sie eine Fremdsprache in kooperativ ausgerichteten Unterrichtsmodellen gemeinsam mit Muttersprachlern erlernen und dabei stets nah am tatsächlichen Sprachgebrauch bleiben. Gleichzeitig würde die Schulung medialer und sozialer Kompetenzen von einem solchen Programm profitieren. Der daraus resultierende Erfahrungsgewinn wäre für Schülerinnen und Schüler sicher eine neue und aufregende Erfahrung und für eine Schule, die sich durchringen könnte, solch ein Projekt umzusetzen, ein enormer Prestigegewinn.

 Quellen und weiterführende Links:

The Harvard Family Research Project : Veröffentlichungen des hier genannten Autors Dr. Joe Mazza

Home & School 2.0 – Envisioning a connected learning community : Aufzeichnung der wissenschaftlichen Tagung, die das gedankliche Fundament dieses Blogeintrags bildet.

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